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ERFAHRUNGSBERICHTE

Wir werden im Laufe der Zeit weitere Interviews transkribieren.
Interview mit Caroline, einer Ehemaligen (Name geändert) Ende August 2021

Wie lange bist du nun schon alkoholfrei?
Im September 2021 sind es drei Jahre.

Welche Bedeutung hatte Alkohol in Deinem Leben gehabt? Wie war Dein Trinkverhalten gewesen?
Ich habe es als Hilfsmittel benutzt, um mich in Gesellschaft, an Partys, Events und sonstigen Zusammentreffen mit Menschen, lockerer zu fühlen. Der Alkohol hat somit eine Funktion übernommen, dass ich mich trotz massiver Ängste (soziale Phobie/Panikattacken) unter Menschen mischen konnte. Das ging lange Jahre „gut“. Irgendwann aber hat sich das „Hilfsmittel“ Alkohol zum eigenen Problem verselbständigt. Die Mengen stiegen und die trinkfreien Tage wurden immer seltener.
Als ich mich dann selbständig gemacht hatte gab es keine soziale Kontrolle mehr und ich fing schon vormittags an zu trinken. Es wechselte irgendwann auch von Bier/Wein zu Wodka.
Natürlich waren die Tage danach in Bezug auf die Ängste noch schlimmer und so befand ich mich schnell in einem Teufelskreis, aus dem ich nicht mehr rauskam.

Gab es noch andere Abhängigkeiten?
Ja, Benzodiazepine wegen der Ängste. Ich hatte teilweise so massive Ängste, dass ich mich nicht einmal getraut habe, an den Briefkasten zu gehen, weil die Angst, jemandem zu begegnen übermässig war.

Wie kamst Du zu Vida Libre?
Ich fühlte mich schrecklich in dem Teufelskreis, der kein richtiges Leben mehr war und befand, dass es so nicht weitergehen kann. So habe ich eines Abends gegoogelt und bin ziemlich schnell auf Vida Libre gestossen. Es hat mir sehr entsprochen, dass es keine Klinik ist, dass es im Ausland ist und dass es anonym ist.

Was glaubst Du war für Dich am wichtigsten um mit dem Alkohol aufzuhören?
Der Treiber war die Einsicht, dass ich null Lebensqualität mehr habe und mich so eigentlich gleich umbringen könne. Die Ängste waren stärker denn je, alles war sinnentleert, meine „Selbständigkeit“ ist zu einer massiven Trinkerei geworden etc. Die Auswahl war also: mein Leben beenden oder etwas tun.

Hattest Du einen Rückfall und bist dann nochmals zu Vida Libre gekommen?
Ja, nach ca. vier Monaten hatte ich einen Rückfall. Ich dachte tatsächlich, dass nichts passiert, wenn ich mal ein „Schlückchen“ nehme. Aber dann fing alles wieder von vorne an und die Abstände wurden wieder kleiner. Mein Trinkverhalten, bevor ich zum zweiten Mal zu Vida Libre ging, war schlimmer denn je.

Was meinst Du war bei Vida Libre besonders hilfreich für Dich?
Dass die ganze Therapie an einem schönen Ort, fern von allem, das man kennt, stattgefunden hat. Schöne Finca, schönes Wetter und rundherum Tiere. Die Tiere haben mir sehr gut getan. Die intensiven Coachings mit Coletta Damm haben mir auch sehr geholfen. Ohne diese wäre ich nicht weitergekommen.
Die sonstigen Aktivitäten (Yoga, malen, Wassersport, Pferde etc.) fand ich manchmal stressig und doch haben sie sehr gut getan. Sie waren erst stressig, weil ich noch nicht so richtig den Elan hatte und noch nicht so richtig aus meinem Loch hervorgekommen war, in das ich mich, alkoholbedingt, verkrochen hatte.

Wie würdest Du die Entscheidung nicht mehr zu trinken, beschreiben?
Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ohne diese Entscheidung, würde ich nicht mehr leben, da das Leben nicht mehr lebenswert war. Natürlich ist das Leben ohne Alkohol trotzdem nicht immer ein Ponyhof, aber so hat man wenigstens die Lebenskraft, sich seinen Problemen zu stellen, Verantwortung zu übernehmen und sich nicht im Alkoholnebel zu verstecken.

Hast Du anderen davon erzählt?
Nur den engsten Freunden und Familie, die einem dann nicht gleich einen Stempel aufdrücken, den man nicht haben möchte.

Was hat Dir danach geholfen, gab es eine Strategie?
Ich habe mir einen „Gefühls-Anker“ gemacht. Jedes Mal, wenn ich an Alkohol dachte, habe ich zurückgedacht, wie furchtbar sinnlos es sich im Alkoholrausch oder nach dem Aufwachen nach Alkoholgelage angefühlt hat und ich fand dieses Gefühl so schrecklich, dass ich es mir ein für alle Mal eingebrannt habe. Dieses Gefühl will ich nie mehr erleben.
Auch hat es sehr geholfen, dass man nachbetreut ist und jederzeit anrufen kann.
Dadurch, dass man sensibler auf das Thema Alkohol geworden ist, fällt einem auch vieles in Situationen auf, in denen man gesellig zusammensitzt und da beobachtet man auch vieles, das man so nicht mehr haben will.

Gab es noch Sehnsucht nach dem Zustand der durch Alkohol entsteht?
Höchstens der Moment des Abschaltens. Aber da einem bewusst ist, wohin das führt, sucht man sich schnell andere Methoden

Wie war danach der Umgang mit einer ja oft trinkenden Umgebung?
Am Anfang habe ich mich aus Selbstschutz nicht mehr in Trinksituationen mit überbordend trinkenden Menschen begeben, danach habe ich gemerkt, dass mir viele „Freundschaften“ so gar nicht das geben, was ich brauche und dies nur „schöngefärbt“ war durch den Alkohol. Deshalb habe ich ziemlich aufgeräumt mit meinem Umfeld.
Mich ekelt heute, wenn ich sehe, dass jemand zu viel Alkohol intus hat. Mich nervt, was dann alles „geschwafelt“ wird.
Ich bin aber ohne Problem mit Leuten zusammen, die ein normales Trinkverhalten an den Tag legen und die wissen, wann genug ist.

Vielleicht habe ich aber auch noch etwas Wichtiges vergessen zu nennen?
Man soll geduldig mit sich selbst und mutig sein, wenn man den nüchternen Weg eingeschlagen hat. Das Leben hat wieder so viel mehr zu bieten. Aber es ist eine grosse Herausforderung, sich nach jahrelangem Trinken, nüchtern neu kennenzulernen.
Auch das Umfeld merkt natürlich, dass man sich verändert hat. Einige können mit der neuen Klarheit nicht umgehen und wenden sich vielleicht ab, aber das hat auch seine Richtigkeit. Das macht Platz.

Ganz ganz liebe Grüsse und eine Umarmung

 

Zum Interview

Interview mit Dr. phil. Coletta Damm

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